Große Handwerkskunst in Silber und Gold im Freiburger Münster

Erstmals seit Jahrzehnten ist der Silberaltar wieder komplett zu sehen

Komplett, frisch restauriert und in ganzer Pracht steht seit August der Silberaltar von 1736 vor dem Hochaltar des Freiburger Münsters. Anlässlich der 900-Jahr-Feier von Freiburg ist er am liturgisch richtigen Ort aufgebaut und wird dort bis Pfingsten 2021 stehen. In Gänze konnte man ihn zuletzt 1956 im Augustinermuseum sehen, im Münster war er in den letzten Jahrzehnten immer nur in Teilen aufgebaut worden.

Weniger der materielle denn der kunsthandwerkliche Wert ist beim Silberaltar herausragend. Filigran und detailreich treten die Figuren zutage, man kann und muss genau hinschauen. Sie sind das Werk von Augsburger und Freiburger Gold- und Silberschmieden, die von der Marianische Kongregation – eine von den Jesuiten zur Stärkung des katholischen Glaubens eingerichtete Gebetsbruderschaft, der auch zahlreiche Universitätsprofessoren angehörten – den Auftrag erhielten, für deren Räume im damaligen Jesuitischen Gymnasiums, heute ein Teil der Alten Universität, dieses besondere Schmuckstück zu schaffen. In den dargestellten Heiligen ließen die Auftraggeber ihre Patroninnen und Patrone abbilden: Maria für die Marianische Kongregation, Thomas als Schutzpatron der Philosophie und Theologie, St. Ivo für die Rechtswissenschaften, der Evangelist Lukas für die Medizin sowie Franz Xaver als der Patron aller universalen Wissenschaften.

Als der Jesuitenorden 1773 aufgehoben wurde, war damit auch ein Verbot der Kongregationen verbunden. Der Altar kam 1784 zur Versteigerung. Dem damaligen Münsterprokurator ist es zu verdanken, dass das begehrte Kunstwerk Freiburg erhalten blieb. So zog der 1,7 Tonnen schwere, vier Meter breite und drei Meter hohe Silberaltar 1773 ins Münster um und schmückte an hohen Festtagen den Hochaltar. Jetzt brachte ihn eine Kunstspedition in zwölf speziell dafür gefertigten, rund acht Kubikmeter umfassenden Transportkisten aus dem Depot der Freiburger Museen an seinen Platz. Eine eigens eingezogene Edelstahlplatte sorgt für die Stabilität. Nach Pfingsten soll der Altar komplett aufgebaut in die Dauerausstellung des Augustinermuseums kommen.

Es besteht die Gelegenheit, den Silberaltar zu festen Zeiten aus nächster Nähe anzuschauen.

Die Erzbischof Hermann Stiftung hat die Aufstellung des Silberaltars mit 10.000 Euro gefördert.

Fotos: S. Richter, Kath. GKG Freiburg

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